Tag: Schädel

Schädelformen

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Schädel enthalten viel Knochenmasse, die im Gegensatz zu Weichteilen fossilisierbar ist. So sind Schädel und Knochen neben Werkzeugen oft die einzigen Zeugnisse früherer Menschen. Aus der Art der Schädels lässt sich auch die Gangart ablesen. Die Größe und der Bau lässt Rückschlüsse auf die Gehirngröße zu, die wiederum in gewissen Grenzen ein Maß für die geistigen Fähigkeiten ist.

Einer der ersten Vorfahren des Menschen, der Australopithecus afarensis, hatte noch vorstehende Kiefer, breite Wülste über den Augen, eine flache Stirn und ein Gehirn, das gerade ein Sechstel bis ein Drittel der Größe des modernen Menschen hatte. Bei A. africanus war es schon größer, noch mehr bei A. robustus und A. boisei. Ihr Gebiss unterschied sich nach ihrer Nahrung: Kräftigere Backenzähne besaßen die Wurzel- und Körneresser, bessere Schneide- und Eckzähne die Fleischesser A. afarensis und A. africanus. Auch war ihre Stirn etwas höher und ihr Gesicht feiner.

Geistige Entwicklung erfordert ein größeres Gehirn, vor allem ein ausgeprägtes Großhirn, das auch einen größeren Schädel braucht. Homo habilis kommt mit über 700 Kubikzentimeter dem modernen Menschen (1000 bis 2000 cm³) schon näher. Beim Homo erectus wächst es erneut. Er besitzt bereits die beiden für die Sprache zuständigen Zentren im Gehirn sowie ein etwas flacheres Gesicht.

Neandertaler erreichten mit ihrem Gehirnvolumen bereits moderne Größen. Die Nutzung von Hilfsmitteln gegen die Unbilden der Eiszeit erforderten einige Intelligenz. Sie kannten zudem Sprache und Riten wie einen Begräbniskult.

Der Schädel des modernen Menschen besitzt ein flaches Gesicht, keine auffälligen Augenwülste und eine hohe Stirn, hinter der Platz für das bis zu zwei Liter großes Gehirn ist.

Die Altersbestimmung von Knochenfunden richtete sich lange Zeit allein nach der Datierung der Gesteinsschicht, in der man sie fand. Inzwischen wurde diese indirekte und oft ungenaue Methode teilweise durch die Radiokarbondatierung abgelöst. Sie beruht darauf, dass in jedem Lebewesen ein konstantes Verhältnis zwischen der normalen und einer abweichenden Form des Kohlenstoffs, dem chemischen Gerüstbaustein jedes Biomoleküls, existiert.

Stirbt das Lebewesen, zerfällt der abweichende Kohlenstoff radioaktiv nach einem konstanten Schema. So lässt sich das Alter anhand des aktuellen Verhältnisses der beiden Kohlenstofftypen recht genau bestimmen. Leider darf der Fund aber nicht älter als 70 000 Jahre sein.

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Nasenbein (Os nasale)

Die Nasenbeine bilden den knöchernen Nasenrücken, indem diese kleinen rechteckig geformten Knochen sich dachartig vereinen. Nach hinten finden die Nasenbeine Angrenzung an die Stirnfortsätze des Oberkiefers (Processus frontales maxillae).

Nach oben grenzen sie an das Stirnbein (Os frontale).

Bei vielen Säugetieren (Ausnahmen: Mensch, Raubtiere) ragt das Nasenbein nach vorn über das Zwischenkieferbein (Os incisivum) hinaus, so dass ein nach vorn offener, spitzwinkliger Einschnitt (Incisura nasoincisiva) ausgebildet ist.

Durch Schläge von außen kann es leicht zu einer Fraktur des Nasenbeins kommen.

Nasenbein

Nasenbein

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Jochbein (Os zygomaticum)

Das Jochbein bildet die seitliche Begrenzung des Gesichtsschädels. Es wirkt sich entscheidend auf die seitliche Kontur des Gesichtes aus. Deshalb wirken Gesichter bei Kindern, bei denen der Zahndurchbruch noch nicht stattgefunden hat, relativ breit. Dieses ändert sich erst mit der Streckung des Gesichtes beim Einstellen der ersten Zähne.

Das Jochbein grenzt an den Oberkiefer (Maxilla), das Stirnbein (Os frontale), das Schläfenbein (Os temporale) und das Keilbein (Os sphenoidale). Es werden folgende Flächen unterschieden: die Facies orbitalis bildet einen Teil der Augenhöhlenwand, die Facies lateralis beschreibt die seitliche und die Facies temporalis die äußere Fläche.

Der Stirnfortsatz des Jochbeins (Processus frontalis ossis zygomatici) verbindet sich mit dem Stirnbein. Der gezackte Fortsatz des Jochbeins (Processus temporalis) formt mit der länglichen Leiste am unteren Ende der Schläfenbeinschuppe (Processus zygomaticus) den Jochbogen (Arcus zygomaticus), eine Knochenbrücke am seitlichen Schädel.

Jochbein-(Os-zygomaticum)

Jochbein-(Os-zygomaticum)

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Gaumenbein (Os palatinum)

Das Gaumenbein besteht aus einer horizontalen (Lamina horizontalis) und einer vertikalen Platte (Lamina perpendicularis).

Die horizontale Platte bildet den hinteren Teil des knöchernen Gaumens (Palatum osseum). Hier findet man das große Gaumenloch (Foramen palatinum majus) für den Gaumennerven (Nervus palatinus anterior, medius, posterior).

Die vertikale Platte des Gaumenbeins bildet einen Teil der seitlichen Nasenwand, außerdem ein Stückchen vom Boden der Augenhöhle. Gemeinsam mit dem Oberkiefer (Maxilla), an den das Gaumenbein vorn grenzt und dem Gaumenflügelfortsatz des Keilbeins (Processus pterygoideus), bildet die vertikale Platte die Wand der Flügelgaumengrube (Fossa pterygopalatina).

Das Loch zwischen Keilbeinkörper und Gaumenbein (Foramen sphenopalatinum) verbindet die Flügelgaumengrube mit der Nasenhöhle.

Gaumenbein-(Os-palatinum)

Gaumenbein-(Os-palatinum)

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Unterkiefer (Mandibula)

Der Unterkiefer ist ein selbstständiger Knochen, der über das Kiefergelenk, Bänder, Kaumuskeln und Weichteile mit dem Schädel verbunden ist. Winkelförmig gebaut wird der horizontal verlaufende Teil des Unterkiefers als Körper (Corpus mandibulae) und der zum Kiefergelenk führende Teil als Ast (Ramus) bezeichnet.

Der untere Teil des Körpers wird Basis mandibulae genannt, der obere Teil, der die Zähne trägt, Pars alveolaris. Hier, im oberen Teil, liegen die Zahnfächer (Alveoli dentales), getrennt durch die knöchernen Scheidewände (Septa interalveolaria). Die länglichen Vorwölbungen der Zahnfächer nach außen werden als Juga alveolaria bezeichnet.

An der Außenseite des Unterkieferkörpers befindet sich ein Kinnvorsprung (Protuberantia mentalis), der bei Kleinkindern noch nicht komplett vorhanden ist und bei den Urmenschen völlig fehlte.

Seitlich des Kinnvorsprunges liegt das Kinnloch (Foramen mentale); hier ist die Austrittsstelle des Kinnnerven (Nervus mentalis) und die äußere Öffnung des Unterkieferkanals (Canalis mandibulae). Dieser bildet den Knochenkanal zwischen Unterkieferloch und Kinnloch für den unteren Alveolarnerv und die untere Alveolarschlagader (N. et A. alveolaris inferior).

Die Linea obliqua, eine schräge knöcherne Leiste am Unterkiefer, geht nach oben in den vorderen Rand des Unterkieferastes (Ramus) über.

An der Innenseite des Unterkieferkörpers befindet sich ein kleiner knöcherner Vorsprung (Spina mentalis), der den Ansatzpunkt für die Zungenmuskeln bietet.

Seitlich daneben befindet sich auch der doppelbauchige Unterkiefermuskel (M. digastricus), der das Zungenbein hebt und den Unterkiefer nach unten zieht. Eine raue Leiste an der hinteren Hälfte des horizontalen Unterkieferteiles (Linea mylohyoidea) bildet den Ursprung für den Muskel, der Unterkiefer und Zungenbein verbindet (M. mylohyoideus).

Der aufsteigende Ast des Unterkiefers (Ramus) verläuft in zwei Fortsätzen: der Kronenfortsatz (Processus coronoideus) bildet den Anschluss für den Schläfenmuskel. Der Gelenkfortsatz Processus condylaris trägt den Gelenkkopf (Collum mandibulae) mit der Gelenkfläche für das Kiefergelenk.

Dicht unterhalb des Corpus befindet sich eine Vertiefung (Fovea pterygoidea), die Anschluss-Stelle des äußeren Flügelmuskels (M. pterygoideus lateralis), der vom Keilbein zum Gelenk und zum Gelenkfortsatz des Unterkiefers zieht und den Unterkiefer nach vorn und seitlich bewegt. Er ist am Kauvorgang beteiligt.

An der Innenseite des Ramus befindet sich das Unterkieferloch (Foramen mandibulae), die Eintrittsstelle des unteren Alveolarnerves und der unteren Alveolarschlagader. Hier verläuft auch der Canalis mandibulae, der Unterkieferkanal, der Ramus und Corpus mehrfach durchzieht und am Unterkieferloch (Foramen mandibulae) endet.

Unterkiefer (Mandibula)

Unterkiefer (Mandibula)

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