Warum der Mensch fünf Finger hat?

Warum der Mensch fünf Finger hat?

Nur bei Primaten, also bei Affen und beim Menschen, haben sich Fingernägel entwickelt, eine zusätzliche Spezialisierung für Feinmanipulationen. Die Handinnenfläche und die Unterseite der Finger sind mit unzähligen Rillen bedeckt, die einen präziseren Griff und ein feineres Gefühl für den ergriffenen Gegenstand vermitteln.

Sie variieren zwar von Individuum zu Individuum – Fingerabdrücke gelten in jedem Krimi als sicheres Indiz -, im Ganzen folgen sie jedoch bestimmten Mustern, die eine Artzuordnung erlauben; ein Affe hat also andere Muster als beispielsweise ein Mensch.

Beim Menschen und den großen Affen kann der Daumen in unterschiedlichem Ausmaß gegen die anderen Finger gestellt werden. Auch nicht so weit entwickelte, bodenbewohnende Affen wie die Paviane nutzen ihre Hände als Greifwerkzeug. Bei vielen baumbewohnenden Affenarten ist die Hand auf das Schwingen von Ast zu Ast (Brachiation) spezialisiert.

Dazu sind Zeigefinger und kleiner Finger verlängert; sie wirken als Haken. Der Daumen ist bei solchen Tieren oft zurückgebildet und wird auch beim Schwingen nicht eingesetzt.

Nicht nur der Daumen ist für das Greifen wichtig, die Hand weist auch andere spezialisierte Bereiche auf: So dienen die inneren Bezirke im Bereich der Handballen zum festen Griff um einen Stein oder Ast, die äußeren Teile der Fingerspitzen dagegen zum präzisen Ergreifen kleiner oder empfindlicher Gegenstände.

Dazu ist es von größtem Wert, daß der Daumen den beiden nächsten Fingern entgegengestellt werden kann; außerdem ist es dann sinnvoll, daß diese Finger von ungefähr gleicher Länge sind. Umstritten ist, ob sich die menschliche Hand aus der Hand baum- oder aus der bodenbewohnender Primaten entwickelte.

Sicher ist jedenfalls, daß der präzise und sensible Griff eine Leistungssteigerung des Gehirns ermöglichte, die zum Entwurf und Gebrauch von Werkzeugen ebenso erforderlich war wie zum Darstellen steinzeitlicher Tiere in den großartigen Höhlenmalereien.

Der Versuch, die Hand mit technischen Mitteln nachzuahmen, fällt angesichts ihrer Komplexität schwer. Immerhin gibt es heutzutage für oft zu wiederholende Routinevorgänge, beispielsweise für einfache Labortests, raffiniert konstruierte Roboter.

Wissenschaftlern einer kalifornischen Firma in Palo Alto ist es sogar gelungen, einen Roboterkunstarm zu entwickeln, der in der Lage ist, Butter auf einen Toast zu streichen. Das ist wesentlich schwerer als man zunächst glaubt. Die Kunsthand muß sich auf die unebene Oberfläche des Toasts ebenso einstellen wie auf die Konsistenz der Butter – eine Aufgabe von höchstem Schwierigkeitsgrad.

Den glatten Metall- und Kunststoff-Flächen des Roboters fehlen die vielfältigen Anpassungen der Primatenhand an das Präzisionsgreifen

1998 wurde die weltweit erste Handtransplantation durchgeführt.  Auch die Verpflanzung beider Hände ist inzwischen möglich. Dennoch ist die Weiterentwicklung der künstlichen Hand eine Herausforderung der heutigen Mikrosystemtechnik.

2002 stellten Forscher in Hannover zwei Produkte vor, in denen Mechanik und intelligente Steuerung optimal zusammenspielen: ein mechanisch angetriebenes sowie ein pneumatisch bewegtes Greifwerkzeug. Die sogenannten Aktoren, die dann über Motoren oder kleine Pumpsysteme die Glieder der künstlichen Extremität zum Leben erwecken, erhalten dabei ihre Steuerinformation über die Muskelimpulse des Prothesenträgers.

Schreibe einen Kommentar

Menü schließen